Interviews

Natalie Simanowski

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Frau Simanowski, nachdem ich Ihr Buch Wieder aufstehen fertig gelesen hatte, musste ich sofort Radfahren gehen. Sind Sie mit einer derartigen Wirkung Ihres Werks zufrieden?

Damit bin ich sehr zufrieden. Ich möchte Menschen dazu ermutigen sich zu bewegen. Besonders Menschen, die etwas Schlimmes erlebt haben bzw. eine Behinderung haben, dazu bewegen, sich nicht hängen zu lassen. Sie sollen kämpfen für das, was sie erreichen wollen.
 

Ihnen ist Schreckliches passiert: Sie waren erfolgreiche Leichathletin und wurden 2003 von einem Psychopathen mit einem Messer niedergestochen, seither sind Sie inkomplett querschnittgelähmt. Was bedeutet das genau – und weshalb dachten Sie bereits direkt nach dem Attentat: Ich will wieder Sport machen und arbeiten?

Ab meiner Verletzungshöhe, dem 11. Brustwirbel, sind meine Muskeln teilweise gelähmt. Es bedeutet dass ich nicht mehr alle Muskeln bewegen kann. Die in den Unterschenkeln kann ich gar nicht mehr ansteuern. Dazu habe ich keine Sensibilität mehr in meinen Beinen. Ich spüre nur noch Wärme, Kälte und Schmerz im rechten Bein. Ich mache schon mein ganzes Leben lang Sport. Er gehört für mich zum Leben dazu. Genauso wie das Arbeiten. Ich könnte nicht den Rest meines Lebens nichts tun.
 

Trotz dieser Lähmung gelang es Ihnen, sich wieder in leistungssportliche Höhen zu puschen. Als Radrennfahrerin wurden Sie mehrmals Weltmeisterin und bei den Paralympics in Peking gewannen Sie zwei Silbermedaillen. Woher kommt Ihre Willensstärke?

Schon immer habe ich so viel Ehrgeiz gehabt. Woher es kommt, weiß ich selbst nicht. Es war ein Traum von mir, einmal eine olympische Medaille zu gewinnen. Und als die Chance kam, bei den Paralympics starten zu können, habe ich alles getan um es zu schaffen.
 

Was raten Sie Menschen, denen das Schicksal ähnliche Hürden in den Weg stellt wie Ihnen?

Sie sollen niemals aufgeben. Immer erst alles für sein Ziel versuchen. Wenn es dann tatsächlich nicht klappt, sich aber auch damit abfinden, dass so ist. Aber für etwas kämpfen lohnt sich immer.
 

Haben Sie die Sorge, dass Sie einmal in eine Situation geraten könnten, in der Sie selbst ratlos sind?

Nein. Das Wichtigste dabei wirklich, sich zu überlegen, was passiert, wenn man den Kopf hängen lässt und nicht versucht, eine Lösung zu finden: Die Ratlosigkeit bleibt und die Situation verändert sich nicht.
 

Wir haben nun fast das ganze Gespräch über gegen eine Ihrer Regeln verstoßen: nicht nach hinten schauen, sondern nach vorn. Lassen Sie uns dies jetzt bitte noch tun. Was sind Ihre Pläne – für dieses Jahr und für die nächsten fünf?

Es sind ja keine Regeln, sondern es ist eine Lebensphilosophie von mir. Auf jeden Fall möchte ich wieder etwas mehr Zeit mit meinem Mann verbringen, denn in den letzten Jahren war ich schon sehr viel unterwegs. Was die nächsten fünf Jahre betrifft, kann ich es gar nicht sagen. Weiterhin Spaß am Sport und am Leben haben.
 

Frau Simanowski, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Jörg Steinleitner


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