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Herr Walker, in Ihrem ersten Krimi um den Ermittler Bruno Courrèges servieren Sie uns zu Verbrechen die köstlichen kulinarischen Erzeugnisse Frankreichs. Woher kennen Sie die Dordogne so gut?
Das erste Mal bereiste ich das Périgord vor langer Zeit mit einer Freundin. Später dann zogen gute französische Freunde ins Périgord. Wir besuchten sie regelmäßig und beschlossen dann, uns ein eigenes Haus dort zu kaufen. Zunächst war es nur für den Sommer gedacht, ich nahm jedoch einen Winter lang eine Auszeit und verbrachte 6 Monate im Périgord, um ein Buch zu schreiben. In jener Zeit fühlte ich mich endgültig akzeptiert in der Gemeinde und wurde ein Teil des Dorflebens – auch weil der Dorfpolizist mein Tennispartner wurde.
Welche kulinarische Errungenschaft des Périgord schät zen Sie besonders?
Ich liebe die Stopfleber Foie gras und Entenconfit, brauche beides aber nicht jeden Tag. Und ich liebe die von meiner Frau zubereiteten Entenfilets in Honigsauce, die sind aber wirklich eine ausgesuchte Gaumenfreude. Außerdem vergöttere ich den Ailloukäse, den mein Freund Stephane herstellt und den Tomme d’audrix, teils auch, weil ich die Kühe, die dafür die Milch liefern, persönlich kenne.
Ist es wahr, dass, wie Sie es in Bruno Chef de Police erzählen, in Brunos Dorf bei der Produktion von Lebensmitteln mit Lust gegen EU-Normen verstoßen wird?
Ja, ich liebe es, wenn unser kleines Dorf einmal im Jahr ein Schwein schlachtet und wir dann alles, auch die Innereien, zu Würsten verarbeiten – entgegen allen EU-Reglementierungen, aber wie meine französischen Nachbarn finde ich, dass es keinen Sinn macht, offensichtlich dämliche Gesetze einzuhalten. Was ich also am meisten schätze, ist die Tatsache, dass alles, was wir essen, einem Umkreis von 10 km entstammt.
Brunos Fall hat auch einen politischen Hintergrund: Es geht um Fremdenfeindlichkeit. Können Sie sich erklären, weshalb es in Frankreich, in Deutschland, in Ländern also, in denen es den Menschen relativ gut geht, immer wieder Ausschreitungen gibt?
Mein erstes Sachbuch in den 70ern handelte von der Geschichte und dem Aufstieg der rechtsextremen Parteien in Großbritannien. Bei meinen Recherchen fand ich heraus, was passiert war: Bei Massenzuwanderungen zogen arme Menschen in Gegenden mit niedrigeren Mieten. Somit sah sich die ungebildetste und ärmste Gruppe der britischen Arbeiterschicht überproportional konfrontiert mit den gesellschaftlichen Herausforderungen, die eine Massenzuwanderung mit sich bringt – dem Wettkampf um Schulen, Wohnraum und Arbeit. Ihre Reaktion war es, gegen Immigration zu sein. Kurz gesagt war es ein Planungsfehler der Regierung.
Zum Schluss bitte noch einen touristischen Tipp für unsere nächste Reise in Frankreichs Südwesten. Was muss man erlebt haben?
Das Vézère-Tal mit den Höhlenzeichnungen bei Lascaux, die Flachreliefs am Cap Blanc und die alte Kirche und das Dorf von St. Leon-sur-Vézère stehen ganz oben auf meiner Liste. An einem Sommerabend kann man auf einem der Nachtmärkte essen gehen, z.B. freitags in Bergerac oder Le Buisson. Dort stellen sie Tische raus und man kauft sich eine gebratene Ente an einem Stand, Salat oder Früchte an einem anderen, den Wein wieder woanders und schlemmt zur Musik der Straßenmusiker.
Interview: Jörg Steinleitner
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