Interviews

Benjamin Lebert

Benjamin LebertVor 10 Jahren begannen Sie 17-jährig mit dem Sensationserfolg Crazy Ihre Schriftstellerkarriere. Wie sieht heute ein normaler Tag im Leben des Profi-Schriftstellers Benjamin Lebert aus?

Wie im Leben vieler Menschen, die nicht Profi-Schriftsteller sind, um Ihr Wort zu verwenden, sieht jeder Tag anders aus. Es gibt natürlich bei vielen Menschen diese Routine, dass sie in die Arbeit gehen und dass sie auch darüber klagen, dass alles gleich zu sein scheint. Aber im Endeffekt glaube ich nicht daran, dass alles gleich ist und man soll auch eigentlich offen sein für die Dinge, die nicht immer gleich sind. Ich glaube der Blick auf das eigene Leben ist sehr entscheidend. Man kann auf das achten, was gleich ist oder auf das Neue achten. Ich glaube, das Neue ist gesünder. Bei mir bedeutet das, dass ich Gott sei Dank dank der Tatsache, dass ich vom Schreiben leben kann, auch wirklich in einen Tag hineinstürzen kann, in einen Tag, bei dem ich nicht genau weiß, wo ich abends ankomme. Aber wenn ich schreibe, dann ist das schon so, dass ich mich jeden Tag hinsetze, meistens in den Vormittagsstunden, weil ich herausgefunden habe, dass ich dort am kräftigsten und am konzentriertesten arbeiten kann. Ich schreibe dann etwa zwei Stunden. Danach mache ich Notizen, auch noch einmal ungefähr zwei Stunden – darüber, wie es weitergehen wird in der Geschichte; und auch, wenn ich etwas gehört habe, das mir gefallen hat, dann schreibe ich mir das auf. Den Rest des Tages verbringe ich mit irgendwelchen Terminen oder treffe Leute und rede mit ihnen und erfahre so auch Dinge, die ich eventuell fürs Schreiben verwenden kann. Ich glaube, so würde im Großen und Ganzen ein normaler Tag, wenn es so etwas überhaupt gibt bei mir, aussehen.

Träumen Sie manchmal davon, einen anderen Beruf zu haben?

Ich glaube, dass man generell von Dingen träumt, die nicht um einen herum sind, die nicht greifbar sind, das gehört zum Menschsein dazu und so träume ich auch von einer Hand, an der ich mich einhalten kann – das ist ja manchmal ein Beruf mit seinen vorgeschriebenen Mechanismen – davon träume ich schon manchmal, vor allem, wenn ich etwas zerrüttet im Laufe des Tages merke, dass mir der Tag durch die Finger gleitet und ich nicht genau weiß, wo meine Stütze in diesem Tag ist, woran ich mich festhalten kann.

Aber so einen ganz konkreten Beruf haben Sie nicht im Kopf, den Sie an manchen Tagen lieber machen würden als das Schreiben?

Etwas sehr Bodenständiges wäre das auf jeden Fall. Das ist ja Teil der Sehnsucht, die man dann hat, wenn man eben selbst nicht besonders bodenständig ist, bzw. wenn man einen Beruf hat, der alles andere als bodenständig ist. – Gärtner oder irgend so etwas würde mir wahrscheinlich liegen, etwas ganz Konkretes zu machen, und auch gleichzeitig etwas zu machen, wo man die Luftschlösser auch fliegen lassen kann, wo die Luftschlösser nicht der zentrale Punkt des Lebens sind.

Apropos Luftschlösser: Augenblicklich wird wegen der Finanzkrise sehr viel über Geld gesprochen. Welche Bedeutung hat Geld in Ihrem Leben?


Keith Richards von den Rolling Stones hat das in einem Interview gesagt – er hat diese Antwort auf die Frage danach, was Erfolg bedeutet, gegeben, und ich glaube, das kann man für Geld genauso sagen, nämlich: In erste Linie bedeutet Erfolg / Geld, die Möglichkeit weiterzumachen. Und insofern ist es für mich ein unglaublich wichtiger Aspekt, weil ich das Glück habe, durch das Geld, das ich verdiene, das Leben zu leben, was mein Traumleben ist – zumindest, was die äußere Form anbelangt; was den Beruf anbelangt. Deswegen weiß ich Geld auch wertzuschätzen.

PelikaneSicherlich werden Sie auch mit Ihrem aktuellen Buch Flug der Pelikane wieder einen Erfolg feiern. Es hat einen wunderbaren Tonfall, einen sehr schönen Erzählklang. Wie bewusst treffen Sie die Entscheidung für die Melodie eines Romans?

Das ist ein ganz wichtiger Aspekt beim Schreiben. Ein Text ist meiner Ansicht nach dann gelungen, wenn die Melodie eine ist, die man glauben kann. Manchmal ist es ja so, wenn man Menschen begegnet, oder sie neu kennenlernt, dann sagt man „Der ist nicht ganz echt“ oder „Der redet in so einer merkwürdigen Art und Weise, die nicht ganz das ist, was er eigentlich tief in sich ist. Und genau so ist es mit Texten. Texte können einen nur berühren, wenn sie mit ihrer wahren Stimme erzählt sind. Auf die Suche zu gehen nach dieser wahren Stimme, ist schon zentraler Teil des Schreibens und oft auch das Schwierigste daran.

Ihre Geschichte beginnt mit einer kleinen Schwindelei. Gleich zu Beginn behauptet Ihr Erzähler, er werde erzählen, wie Sie den Sommer mit vier Gangstern verbrachten. Das stimmt so ganz ja nicht?

Ich würde schon sagen, dass das stimmt. Ich glaube nämlich, dass die geistige Welt mit der man sich beschäftigt, ebenso real ist wie das, was man tatsächlich um sich herum hat bzw. erlebt. Dass es genauso gegenwärtig ist und genauso eine Bedeutung hat. Und dieser Ich-Erzähler Anton beschäftigt sich einen Sommer lang mit vier Verbrechern, die sehr real für ihn sind. Deswegen kann er sagen, dass er den Sommer mit ihnen verbringt.

Man nimmt dem Ich-Erzähler diese kleine Flunkerei ja auch gar nicht übel. Was fasziniert Sie an Gangstergeschichten?

Ich weiß gar nicht, ob mich das generell fasziniert. Mich faszinieren eher im Allgemeinen Geschichten vom Ausbruch und Aufbruch. Denn wann immer es darum geht, eine Situation nicht zu akzeptieren, wenn man daran arbeitet, ein Loch zu meißeln oder herauszuklopfen, um einer Situation zu entfliehen, das interessiert mich, und davon ist die menschliche Geschichte voll. Das ist für mich auch die Definition von Freiheit: sich nicht einer Situation ergeben. Das bedeutet aber nicht, dass man tatsächlich ausbrechen muss, wenn man im Gefängnis sitzt – wenn wir jetzt mal dieses Beispiel aus Flug der Pelikane nehmen – dann bedeutet das für mich nicht, dass die Freiheit nur dadurch erlangt wird, dass man ausbricht, sondern der Gedanke an die Flucht allein ist schon Freiheit. Das hat auch einer der Alcatraz-Gefangenen später gesagt: Man muss gar nicht tatsächlich aus Alcatraz ausgebrochen sein, aber der Gedanke daran, der hielt einen überhaupt am Leben. Der Gedanke an Flucht, das bestätigen in den letzten Jahren auch Psychologen, ist ein ungeheuer wichtiger Gedanke im Wesen des Menschen. Sobald der Fluchtgedanke erstirbt, verliert der Mensch auch seinen Lebensmut.

Wie sind Sie auf die Alcatraz-Geschichte gestoßen?

Ich war als 10-jähriger Junge mit meinen Eltern in Alcatraz und ich habe die Augen weit aufgerissen, ich war so begeistert von diesem Ort. Ich bin dort herumgelaufen, und mein Herzschlag ging ganz wild, ich habe alles in mich aufgesogen und auch den Ort, die Geschichten, die ich dort erfahren habe – mein Vater hat mir alles übersetzt, was da damals passiert ist und ich habe das alles mitgenommen auf meinen Lebensweg. Ich habe immer mal wieder daran gedacht, auch z.B. wenn es mir schlecht gegangen ist, dann habe ich an die Gefangenen gedacht und an verschiedene Situationen, von denen ich dort gehört habe. Und auf meiner letzten Lesereise mit Kannst du – auf einer Lesereise ist der Herzschlag ja auch sehr aufgepeitscht, jeden Tag woanders, man kann nicht so gut schlafen, man verbringt Nächte wach im Hotelzimmer – auf meiner letzten Lesereise habe ich nachts eine Dokumentation über Alcatraz gesehen. Das ging nicht lang, vielleicht 20 Minuten. In dem Moment ist in mir der Gedanke wach geworden, ich möchte unbedingt darüber schreiben. In der Folgezeit habe ich dann überlegt, wie man eine Geschichte um das Alcatraz herumbauen kann. Das ist dann relativ schnell gegangen – und deswegen ist es dann auch schon gleich mein nächstes Buch geworden.

Haben Sie sich selbst schon einmal wie in Alcatraz gefühlt?

Oh ja, ich fühle mich generell oft wie ein Gefangener. Auch alle Menschen, die ich kenne, haben mir das erzählt, dass es bei ihnen auch so ist. Ich glaube, dass es eine zentrale Aufgabe des Lebens ist, dass man versucht, aus sich selber auszubrechen. Dass man versucht, der Mensch zu werden, für den man angelegt ist. Man muss sozusagen aus einem Kokon herausschlüpfen, um dann der Schmetterling zu sein, wenn man dieses abgedroschene Bild verwenden darf. Ich glaube, dass man das vielen Menschen sogar richtig ansehen kann: dass der eine schon aus sich selber ausgebrochen ist. Vielleicht erkennt man das daran, dass er sich selbst nicht mehr so wichtig nimmt, dass er eben frei schwebend etwas transparenter wird für das Leben. Und bei manchen sieht man richtig die Gitterstäbe vor den Augen – bei mir sind auch noch einige Gitterstäbe vor den Augen.

Was ist das Verlockende an der Vorstellung auszubrechen?

Auszubrechen ist gleichzusetzen mit Erfüllung. Auf etwas hinzuarbeiten, was ja auch etwas tief Menschliches ist; dass man die jetzige Situation überwinden will, weil man sich nach der Sonne sehnt, weil man denkt, es muss einen besseren Ort geben – einen tatsächlichen Ort, aber auch ein Gefühl. Die Tragik des Lebens ist, dass man, selbst wenn es einem gelingt – wenn es den drei Ausbrechern von Alcatraz tatsächlich gelungen ist – auszubrechen, dann haben sie etwas unglaublich Tolles vollbracht, sind in die Freiheit geschwommen. Aber sie konnten dann niemandem davon erzählen. Und sie waren auf ständiger Flucht, mussten immer Angst haben, dass sie entdeckt werden, wenn sie es denn geschafft haben. Sie sind sozusagen von einem Gefängnis ins nächste gekommen. Und so ist es, glaube ich, im Leben auch. Wirklich aus einem Gefängnis auszubrechen wird einem in der Zeit, die einem gegeben ist, nie ganz gelingen.

Es könnte aber auch sein, dass die Gesellschaft dies verhindern will. Dass die Erwartung der Gesellschaft an den nützlichen Menschen genau die ist, nicht auszubrechen.
Vielleicht. Aber trotzdem ist jeder für sich verantwortlich. Das ist immer eine sehr gängige Art und Weise, Dingen auszuweichen, sie auf die Gesellschaft zu schieben. Das ist natürlich auch oft wahr, aber nichts desto weniger hilft es manchmal, wenn man sich vergewissert, dass es gar keine Rolle spielt, inwieweit der Druck von außen da ist, wenn man selber die Kraft hat, etwas zu verändern. Es ist natürlich immer mit Gefahren verbunden und insofern spielt es schon eine Rolle, ob da ein ganzes Umfeld das nicht zulässt. Aber der Anfang muss immer in einem selbst gemacht werden. Und das ist schon bei vielen Menschen nicht so. Sie suchen den Anfang immer in der Gesellschaft und denken: Erst, wenn sich die Gesellschaft so und so verändern würde, dann könnte auch ich mich verändern. Das ist auch im Kleinen so, z.B. wenn man einen großen Bruch hat mit seinen Eltern oder mit einem geliebten Menschen, dann kann man dem Gedanken in sich selber nachspüren, der sagt: Erst muss der sich verändern, sonst wird das nie was. Ich glaube, dass das ein völlig falscher Ansatz ist. Es geht darum, sich selber zu verändern.

Wann sind Sie das letzte Mal aus einer Gefangenschaft ausgebrochen?

(Lebert denkt sehr lange nach.) Ich habe vor einiger Zeit einen Tanz gehabt mit einer jungen Frau, also einen wirklichen Tanz. Ich traue mich oft nicht zu tanzen wegen meiner Behinderung und weil es oft sehr schwierig ist, und ich habe aber dieses eine Mal diese Dame zum Tanz aufgefordert. Ich glaube, dass das das letzte Mal war, wo ich aus meinem Gefängnis ausgebrochen bin.

Das ist ein sehr schönes, symbolhaftes Bild. Ein wenig wie das Bild vom Vogel, das nun zum zweiten Mal schon im Titel eines Ihrer Bücher auftaucht. Der Vogel ist für Sie eine besonders wichtige Metapher.

Ja genau, ein sehr wichtiges Symbol. Die allgemeine Vorstellung von Vögeln, dass sie so frei sind, weil sie fliegen können … ich glaube ja nicht wirklich daran, dass sie frei sind. Deshalb habe ich ja auch dieses tolle Bob-Dylan-Zitat der Geschichte vorangestellt, das besagt, dass Vögel eben auch an die Lüfte gekettet sind. Aber sie haben zumindest den Anschein, dass sie so frei sind und sich so schnell von einem Ort zum anderen bewegen können – was ja eine große menschliche Sehnsucht ist; und ich glaube auch, dass es für mich eine Bedeutung hat, dass sie … bei manchen Tieren hat man das Gefühl, sie sind dem Menschen ähnlich auf eine Weise, wenn man sie anschaut, in den Augen ist manchmal ein Funke von dem, was vielleicht auch in uns ist. Aber bei Reptilien und Vögeln ist es nicht so. Dieses Universum, in dem sich Vögel und Reptilien bewegen müssen, ist etwas Fremdartiges, und das ist auch etwas, das mit meiner Sehnsucht zu tun hat.

Vögel müssen sich, um auf die Welt zu kommen auch aus einer Gefangenschaft, nämlich der der Eierschale befreien. In Ihrem Roman spielt dann noch ein zweiter Ort des Gefangenseins eine Rolle – eine psychiatrische Klinik in Hamburg. Woher bezogen Sie Ihre Informationen über diesen Ort?

Es ist so, dass viele Menschen in meiner Umgebung, in meinem näheren Bekanntenkreis und auch Menschen, von denen ich nur gehört habe, die alle ungefähr in meinem Alter sind, sie alle haben in letzter Zeit so in Anführungsstrichen Zusammenbrüche gehabt. Das geht jetzt schon länger so, dass ich das immer wieder höre, ich weiß nicht, ob es da eine Statistik gibt, ich fühle mich in Statistiken nicht so zu Hause, deswegen habe ich das nie ganz erforscht. Aber es scheint mir doch so zu sein, dass es vielleicht ein Merkmal meiner Generation ist, wenn man so will, obschon ich immer davor zurückschrecke, so etwas zu sagen, egal bei was, aber solche Zusammenbrüche kommen eben häufiger vor und deswegen ist es mir auch ein Bedürfnis darüber zu schreiben. Was jetzt die Recherche anbelangt, kam das zwangsläufig, weil ich diese Menschen, Freunde von mir, in der psychiatrischen Anstalt besucht habe – und dadurch einen Eindruck bekommen habe von dem Gefängnis, in dem sie sich da befunden haben.

Ich würde der Beobachtung zustimmen, dass immer mehr Menschen zusammenbrechen. Vielleicht sind es aber nicht nur junge Leute, sondern auch immer mehr Erwachsene, die dem Druck nicht mehr standhalten können. Können Sie sich dieses Phänomen erklären?

Genau, vielleicht betrifft dies nicht nur Menschen in meinem Alter, sondern generell. Ich kann auch nicht genau sagen, warum das so ist. Es fallen dann immer so Sätze wie „Ich habe mich überarbeitet“, „Ich habe nicht ganz auf mich acht gegeben“, auch wenn diese Sätze natürlich nicht die volle Wahrheit sind, da spielt immer auch eine andere Sache noch eine Rolle, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass das gerade Menschen meines Alters betrifft: Sie versuchen dann alles zu sein, gleichzeitig; an allen Fronten zu kämpfen und Feuer zu löschen und gleichzeitig gut zu sein und andere auszustechen, ständig, in verschiedenen Bereichen, Tausende auszustechen. Dass man davon irgendwann erschöpft ist, finde ich nahe liegend. Ich weiß aber nicht, ob man das so begründen kann.

Wer verlangt das denn von den Menschen, dass sie sich so aufarbeiten?

Es ist schon so, dass sie sich aufarbeiten müssen, um überhaupt ihre Miete bezahlen zu können. Es gibt heute nichts mehr, was man erlangen kann – sei es ein Zeugnis oder ein abgeschlossenes Studium – das einem dann die Sicherheit gibt, sich zurücklehnen zu können, wo man sagen kann: Okay, ich habe jetzt die Anforderungen erfüllt. Das gibt es nicht mehr. Man muss ständig offen sein zu allen Seiten hin. Das ist ein schwerer Zustand. Man muss Dinge gleichzeitig machen … Das ist, glaube ich, diese heutige Zeit, die das sehr fordert von uns.

Der Impuls für ihren Erzähler, nach New York zu gehen für einige Zeit, der kommt ja daher, dass er verlassen wird von seiner Freundin. Das Nach-New-York-Flüchten ist für den Protagonisten der eine Weg, mit dieser Situation umzugehen. Der andere ist es, so hat er mal gehört, eine Liste zu machen mit Dingen, die man schon immer tun wollte und nun, da man allein ist, endlich tun kann. Haben Sie schon Erfahrungen mit solchen Listen gemacht? Ist das ein Weg, dem Liebeskummer zu entkommen?

Ja, das ist ein sehr oberflächlicher Weg, aber der ist nicht schlecht, zumindest für den Anfang. Ich habe das gemacht und – man schreibt dann so Sachen auf, die einem Spaß machen. Natürlich ist da auch etwas Gezwungenes daran, es bleibt immer ein fahler Beigeschmack dabei, aber nichts desto weniger ist es dann schön, wenn man nach Mailand fährt zum Champions League-Endspiel, oder was man eben dann so macht.

Sind Sie Fußballfan?

Ja, ein bisschen.

Für welchen Verein sind Sie?

Bayern.

Obwohl Sie in Hamburg leben.

Ja.

Vom Fußball nochmals zur Liebe: Meinen Sie, dass New York eine gute Stadt ist, um mit Liebeskummer fertig zu werden?

Ich glaube, New York ist für eine Flucht ein guter Ort. Die Geschichte ist ja sozusagen auch durchtränkt von Fluchten nach New York. Deswegen habe ich diesen Ort auch gewählt dafür: Sowohl der Anton flieht dorthin, als auch die drei Ausbrecher, die dort wieder im Leben auftauchen. Für mich ist New York wirklich ein sehr guter Ort, um Dinge hinter sich zu lassen. Ich weiß nicht, was passieren würde, wenn man dort wohnen würde. Was man dann macht, wo man dann hinfliehen könnte … das weiß ich nicht (lacht). Vielleicht Staten Island …

Sie müssten es vielleicht einfach ausprobieren. Wie lange waren Sie für die Recherche des Buches in New York?

Für die Recherche selber war ich gar nicht so lange dort, ich war lange dort, als ich die Kurse gehalten habe, an der New York University, für kreatives Schreiben, was eine sehr lustige Angelegenheit war. Da war ich sehr lange in New York und aus dieser Zeit beziehe ich auch die meisten Bilder, die ich auch verwendet habe für den Roman.

Was ist für Sie das Wesen der Liebe?

Oh, das ist eine sehr endgültige Frage. Das Wesen der Liebe ist für mich, dass alle Vorstellungen aufhören. Alle Vorstellungen davon, wer man glaubt, sein zu müssen oder wer man hofft zu sein. Liebe beginnt dort, wo alle Vorstellungen aufhören.

Und nun meine Schlussfrage: Meinen Sie, die drei Ausbrecher von Alcatraz haben Ihre Flucht überlebt?

Nein, ich glaube nicht daran. Ich glaube, dass sie ertrunken sind.

Schade, man hofft es …

Ja, man hofft es, aber die Wahrheit über das menschliche Geschick liegt nicht nur darin, wie eine Geschichte wirklich verlaufen ist, sondern auch darin, wie sie hätte verlaufen können. In diesem Sinne haben die drei Ausbrecher es auch geschafft.
 

 


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